Nebenwirkungen von Propecia: Fakten und Mythen

Die Nebenwirkungen von Propecia: Fakten und Mythen über die Nebenwirkungen von Finasterid

Es sind viele Gerüchte und Diskussionen über das Haarwuchsmittel Propecia (Finasterid) im Umlauf, über die wir Sie gerne aufklären möchten.

Zunächst sollte erklärt werden, was die Wirkungsziele von Propecia (Finasterid) bei Patienten sind.  Die wichtigste Wirkung von Finasterid ist die Verdickung von teilweise miniaturisiertem Haar und das Reduzieren oder Anhalten des Fortschritts des Haarausfalls. Generell zeigt das Mittel keine Wirkung, wenn Haar an Stellen nachwachsen soll, die stark miniaturisiert oder vollständig kahl sind.

Einen idealen oder potenziellen Kandidaten für die Einnahme von Propecia bilden Männer mit erblich bedingtem Haarausfall, der durch die Miniaturisierung von Terminalhaar und progressiven Haarausfall nachgewiesen wird. Je früher mit der Behandlung begonnen wird, desto höher sind die Chancen, dass der Fortschritt des Haarausfalls verlangsamt bzw. umgekehrt werden kann.  Da klinische Studien bei Männern durchgeführt wurden, die älter als 18 Jahre sind, würde die Behandlung bei Männern unter 18 Jahren als indikationsfremd gelten. Eine Zustimmung der Eltern müsste dementsprechend vorhanden sein.

Propecia gilt jedoch als „gefährlich“ für Frauen.  Der medizinische Grund ist folgender: Finasterid ist für die Anwendung bei Frauen nicht zugelassen oder indiziert. Bei schwangeren Frauen kann der Kontakt mit größeren Mengen DHT theoretisch zu Hypospadie, einer Anomalie der männlichen äußeren Geschlechtsorgane, beim sich entwickelnden männlichen Fötus führen.  Propecia-Tabletten sind allerdings mit einem Film überzogen und verhindern somit den Kontakt mit dem eigentlichen Wirkstoff bei einer normalen Einnahme, wenn die Tabletten nicht zerstoßen, aufgebrochen oder aufgenommen werden.

Außerdem wurden in einigen Studien bei Frauen in der Postmenopause oder bei nicht schwangeren Frauen mangelhafte Ergebnisse mit der 1 mg-Dosis und unterschiedliche Ergebnisse mit höheren Dosen erzielt. Dementsprechend zeigt die Behandlung keine Erfolge bei Frauen.

Nebenwirkungen bilden einen der Hauptpunkte der Patientendiskussionen über Finasterid. Klinische Studien mit Männern im Alter von 18–41 Jahren belegen, dass die Nebenwirkungen von Finasterid seltener als in 2 % der Fälle und geringfügig häufiger bei Männern über 41 Jahren auftraten, die oft an Erkrankungen wie Hypertonie, Diabetes und peripheren Gefäßerkrankungen leiden, die sexuelle Nebenwirkungen prädisponieren können.

Die in klinischen Studien berichtete Inzidenz sexueller Nebenwirkungen von Propecia beträgt weniger als 2 % (über dem Placebowert). Am häufigsten treten eine Reduzierung der Libido und erektile Dysfunktionen auf.  Die genaue Wirkungsweise ist unbekannt.  Der Testosteronspiegel (T-Spiegel) wird um etwa 10–15 % erhöht (innerhalb des normalen Bereichs). Teilmengen dieses zusätzlichen Testosterons können in Östrogenhormone (weiblich) umgewandelt werden, was eine Erklärung für sexuelle Nebenwirkungen bei einigen Männern sein kann. Es sollte beachtet werden, dass die Inzidenz von erektiler Dysfunktion in der Normalbevölkerung bei 20–30 % der Männer unter 40 Jahren liegt und alle zehn Jahre um 10 % steigt.
Da Finasterid die Prostata verkleinert, könnten einige wenige Männer eine Reduzierung der Stärke oder Menge der Ejakulation feststellen. Eine Reduzierung der Spermienzahl wurde selten bei Männern mit Risikofaktoren beobachtet. Nach der Behandlungseinstellung normalisierte sich dieser Wert jedoch.  Brustspannen, Gynäkomastie und testikuläres Unbehagen traten ebenfalls selten während dieser Studien auf.  Nach der Vermarktung wurden Beschwerden über Depressionen und anhaltenden sexuellen Nebenwirkungen nach der Behandlungseinstellung berichtet, allerdings konnte der Zusammenhang mit Finasterid nicht bestätigt werden.

Wichtiger Hinweis: Wenn ein Patient die Behandlung mit Finasterid einstellt, werden Fortschritte bei der Anzahl oder Dicke der Haare rückgängig gemacht und der Patient wird den selben Grad an Haarausfall erfahren, der ohne Behandlung eingetreten wäre.

Bei der Empfehlung einer Medikamentenbehandlung oder Haarwiederherstellung bilden der Grad an aktuellem und zukünftigem Haarausfall, die Familienhistorie und die Erwartungen wichtige Faktoren, die es zu besprechen gilt.  Wenn der Patient mit einem dezenten Nachwuchs des Haares zufrieden oder jung (25 Jahre oder jünger) ist, empfehle ich generell, zunächst Finasterid einzunehmen und anschließend mindestens ein Jahr zu warten, um dessen vollständige Wirkung entfalten zu lassen.
Wenn dem Patienten der dezente Nachwuchs des Haares unter Einnahme von Finasterid nicht ausreicht oder das Muster des Haarausfalls einen Nachwuchs der Haare an den betroffenen Stellen unwahrscheinlich werden lässt (d. h. die Stellen sind signifikant ausgedünnt oder vollständig haarlos), würde ich die Einnahme von Finasterid und eine Haartransplantation parallel zueinander in Betracht ziehen. Wenn vor der Transplantation mit der Finasterid-Behandlung begonnen wurde, kann der Haarausfall reduziert werden, der gelegentlich nach dem Eingriff festgestellt wird. Dieser Vorteil wurde allerdings nicht nachgewiesen.
 

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