Gesundheitstourismus: Die guten, schlechten und gar unansehnlichen Seiten

Gesundheitstourismus: Die guten, schlechten und gar unansehnlichen Seiten

 

Durch das Internet und die wachsende Globalisierung liegt uns die Welt sozusagen zu Füßen. Wir können sowohl kinderleicht Grenzen überqueren, um Urlaub in anderen Ländern zu machen, als auch in nahezu jedes Land reisen, um Geschäfte zu machen oder Waren und Dienstleistungen einzukaufen.

Während der letzten Jahre hat dieser weltweite, offene Marktplatz außerdem einen anderen wachsenden Trend hervorgebracht: Gesundheitstourismus. Laut neuer Statistiken, die im Dokument „Patients Beyond Borders: World Edition“ (in englischer Sprache) veröffentlicht wurden, wird geschätzt, dass das Marktvolumen des Gesundheitstourismus 45,5 bis 72 Milliarden US-Dollar beträgt, generiert von etwa 12 Millionen Patienten, die sich weltweit außerhalb ihrer Heimatländer medizinischen Behandlungen unterziehen.

Auch wenn das Entdecken exotischer Orte für manche der Patienten, die sich im Ausland behandeln lassen, ein wichtiger Faktor sein kann, wird Gesundheitstourismus häufig auch als Sparmöglichkeit gesehen, da viele Prozeduren in anderen Ländern erheblich günstiger sein können. Das trifft vor allem bei Schönheitsoperationen zu, die zu den am meisten im Ausland durchgeführten medizinischen Behandlungen zählen. Da ästhetische Operationen, wie zum Beispiel Haartransplantationen, in den meisten Ländern nicht von der Krankenkasse übernommen werden, können billigere Operationen im Ausland für viele Patienten wie ein echtes Schnäppchen aussehen.

Doch wie ein Sprichwort sagt: „Wenn es zu schön klingt, um wahr zu sein, dann ist das wahrscheinlich auch so.“ Verbraucher müssen große Vorsicht walten lassen, wenn sie mit dem Gedanken spielen, sich im Ausland einer haarchirurgischen Behandlung zu unterziehen, und sich genau darüber informieren, bevor sie die Reisetickets buchen und Koffer packen. Viele Spezialisten in der Haarchirurgie sehen Patienten mit Komplikationen, die aus den „Billigkliniken“ importiert wurden und mit denen kein Patient gerechnet hätte.

Verbraucherwarnung: Ein günstigerer chirurgischer Eingriff kann Ihnen teuer zu stehen kommen

In einer idealen Welt würden sich alle Ärzte an den hippokratischen Eid halten und schwören, dass sie beruflich stets nach höchsten ethischen Maximen handeln. In der Realität ist dies allerdings nicht immer der Fall. Durch den Gesundheitstourismus können bestimmte Ärzte oder Geschäftsleute von unethischen Vorgehensweisen profitieren, wie zum Beispiel, indem sie ihren Namen und ihren Ruf verwenden, um nichtsahnende Patienten in Billigkliniken zu locken und ihnen zu versprechen, sie würden dort von „Experten“ betreut werden. Das ist ein typisches Beispiel für die Lockvogeltaktik, bei der die Haartransplantation in Wirklichkeit von Laien durchgeführt werden, die keine medizinische Ausbildung durchlaufen haben. Je nach Standort kann es sich gar um illegale Kliniken handeln, was für die Patienten schwerwiegende Folgen haben kann.

Das Ganze wird dadurch noch zusätzlich erschwert, dass verschiedene Länder unterschiedliche Gesetze und Vorschriften haben, wer Operationen durchführen kann und wo. Betrachten wir als Beispiel die Türkei, wo der Gesundheitstourismus für Haartransplantationen boomt – vor allem aufgrund des Versprechens günstigerer Operationen. Jedoch wurde vor kurzem von illegalen, privaten Haartransplantationskliniken in der Türkei berichtet, in denen Haartransplantationen nicht von Ärzten, sondern von Technikern durchgeführt werden und wo Marketingunternehmen für das Verweisen von Patienten an diese Kliniken Provisionen einstreichen.
Wenn Haarchirurgie durch Personal ohne medizinische Ausbildung erfolgt, laufen Patienten das Risiko einer Fehldiagnose bzw. des Ausbleibens einer Diagnose von Haarproblemen oder damit zusammenhängenden Krankheiten – was zur Durchführung einer unnötigen, unangemessenen oder erfolglosen Operation führen kann. Die International Society of Hair Restoration Surgery (internationale Gesellschaft für Haarchirurgie, ISHRS) ist als größte Gruppe von Ärzten, die sich für Patienten mit Haarausfall einsetzt, fest davon überzeugt, dass diese potenziellen Risiken die Sicherheit der Patienten gesundheitlich und in Bezug auf das Ergebnis gefährden – ein Thema, über das die Gesellschaft Verbraucher und Gesetzgeber informiert.

Sich genau zu informieren, zahlt sich aus

Niemand möchte sich unwissentlich einer illegalen Haartransplantation unterziehen. Doch für Prozeduren im Ausland kann es schwieriger sein, herauszufinden, ob ein bestimmter Arzt oder eine bestimmte Klinik legitim ist. Darum empfiehlt die ISHRS potenziellen Patienten nachdrücklich, neben Fragen zu Kosten, Risiken und kurz- bzw. langfristigen Vorteilen, der Berücksichtigung des zukünftigen Haarausfalls und dem bestmöglichen Einsatz der nur begrenzt verfügbaren Spenderhaare stets auch folgende Fragen zu stellen, bevor ein Termin für eine Haartransplantation an einem beliebigen Ort der Welt vereinbart wird:

1.  Wer untersucht meinen Haarausfall und empfiehlt einen Behandlungsverlauf? Welches Studium, welche Ausbildung, welche Zulassung und welche Erfahrung hat diese Person in Bezug auf die Behandlung von Haarausfall?
2. Wer ist an der Operation beteiligt, welche Rolle spielt jede einzelne Person und welches Studium, welche Ausbildung, welche Zulassung und welche Erfahrung haben die Beteiligten in Bezug auf Haartransplantationen?
3. Wird irgendjemand, der kein Arzt oder nicht staatlich zugelassen ist, im Rahmen der Operation Einschnitte vornehmen oder Transplantate einsetzen? Wenn ja, sollte Ihr Ansprechpartner diese Person identifizieren und Ihnen erklären, welche Rolle sie genau spielt, über welche Zulassungen sie verfügt und warum sie gesetzlich dazu befugt ist, die Operation durchzuführen.
4. Ist jede an meiner Operation beteiligte Person durch eine Berufshaftpflichtversicherung geschützt?

Wenn sich ein Arzt weigert, Ihre Fragen zu beantworten oder Ihnen Informationen zu geben, kann das ein Zeichen dafür sein, dass in der Praxis etwas nicht mit rechten Dingen zugeht. Vertrauen Sie Ihrem Instinkt und treffen Sie keine vorschnellen Entscheidungen in der Hoffnung auf ein Schnäppchen, dass sich als teurer Fehler erweisen könnte. Die Konsequenzen einer ruinierten Haartransplantation können schwerwiegend und langfristig sein. Denken Sie daran, dass es um Ihren eigenen Körper geht und sich nicht alles schmerzlos rückgängig machen lässt – also ist als Verbraucher Vorsicht angesagt. Informieren Sie sich im Vorfeld!
Mit einem seriösen Arzt zum besten Ergebnis

Sofern der richtige Arzt am Werk ist, können Haartransplantationen heutzutage auf sichere, effektive Weise natürlich aussehende, dauerhafte Resultate hervorbringen, die man beinahe nicht vom natürlichen Haarwuchs unterscheiden kann. Es gibt überall auf der Welt viele hervorragende, seriöse Ärzte, die erstklassige Haartransplantationen durchführen, und manche Patienten reisen Tausende Kilometer weit, um von ihnen behandelt zu werden. Indem Sie alle verfügbaren Ressourcen nutzen, können Sie einen qualifizierten Haarchirurgen finden – entweder bei Ihnen in der Nähe oder in einem Land, das Sie ohnehin schon immer mal besuchen wollten. Erkundigen Sie sich als Kunde genau, damit Sie auch nachher noch beruhigt in den Spiegel schauen können.
 

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